vipp Schulpsychologie Newsletter Nr. 14

1. Begrüssung zur 14. Ausgabe
2. Bindungsbrett
3. Schulabsentismus
4. Lernstörungen
5. Fachsprechstunde KJPD Luzerner Psychiatrie
6. Smartphone-Nutzung in Gegenwart von Babys und Kleinkindern
7. Sonderschule für Mädchen in Ettiswil
8. Empfehlenswerte Literatur und Links
9. Schule und Psychologie in der Presse


1. Begrüssung zur 14. Ausgabe

Liebe Leser*innen

Die Fasnachtsferien sind vorbei und wir freuen uns, Ihnen die 14. Ausgabe des «vipp Schulpsychologie Newsletters» präsentieren zu können.  

In dieser Ausgabe haben wir erneut eine Fülle an interessanten Beiträgen für Sie bereit. Unter anderem finden Sie einen spannenden Artikel über das Bindungsbrett und wie dieses im pädagogischen Kontext eingesetzt werden kann. Ferner widmen wir uns erneut den beiden wichtigen und nach wie vor präsenten Themen Schulabsentismus und Lernstörungen.

Darüber hinaus lernen Sie die verschiedenen KJPD-Fachsprechstunden kennen, erfahren etwas über die Smartphone-Nutzung in Gegenwart von Babys und Kleinkindern und die neue Sonderschule für Mädchen in Ettiswil. 

Abschliessend gibt es wie immer noch einige interessante Literaturhinweise, Podcasts und Presseberichte zum Thema Psychologie und Erziehung.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

Redaktionsteam: 

Ines Müller, SPD Rontal  
Selina Anderhub, SPD Hochdorf (Leitung Redaktionsteam) 
Denise Eichenberger, SPD Willisau 
Eva Buholzer, SPD Sursee 
Claudia Pecorari, SPD Hochdorf (Vorsitzende Sektion Schulpsychologie Kt. Luzern)


2. Bindungsbrett

Beziehung und Emotionen sichtbar machen - Das Bindungsbrett als Arbeitsinstrument im pädagogischen Kontext

Beziehungen spielen in unserem ganzen Leben eine entscheidende Rolle, nicht nur, wenn es um unser Wohlbefinden geht, sondern auch im Kontext von Lernen und Leistung. Bindungsbeziehungen sind zudem zentral, wenn Kinder erlernen, ihre Emotionen zu erkennen und zu regulieren. Und dies wiederum ist ein wichtiger Faktor im Zusammenhang mit auffälligem oder herausforderndem Verhalten und damit ein wesentlicher Grund, weshalb das Thema Beziehungsgestaltung im Schulkontext eine zunehmende Bedeutung erhält.

Das Bindungsbrett wurde im Rahmen von Lothar Steinkes schulpsychologischer Arbeit entwickelt, um mit Eltern und Lehrpersonen besser über die emotionalen Bedürfnisse der Kinder reflektieren zu können. Bald zeigte sich, dass es auch für die Hand der Lehrperson geeignet scheint. Mehr dazu (PDF)...


3. Schulabsentismus

Das Phänomen «Schulabsentismus» hat seit der Corona-Pandemie zugenommen und benötigt eine besonders intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten. Im Rahmen einer Weiterbildung für Kinderärzt*innen im April 2023 hat Brigitte Schumacher, die Beauftragte Schulpsychologie der DVS, auf die Bedeutung der Kooperation mit dem Schulpsychologischen Dienst aufmerksam gemacht. Zum Referat (PDF)...

Zudem wurde Frau Schumacher im September 2023 im BKD Blog zum Thema «Schulabsentismus und die Rolle des Schulpsychologischen Dienstes» interviewt.

Passend zum Thema hat Sylvia Bach, Schuldienstleitung vom Schulpsychologischen Dienst Sursee, am Elternbildungstag 2023 einen Workshop über Schulabsentismus «Mami, Papi muss ich heute wirklich in die Schule?» (PDF) gehalten.

Die Dienststelle Volkschulbildung stellt zum Thema «Schulabsentismus» ein aktualisiertes Merkblatt (PDF) zur Verfügung.

Ausserdem haben die Schulpsycholog*innen aus dem Kanton Luzern die Möglichkeit, sich von einer Arbeitsgruppe der kantonalen Konferenz bei besonders herausfordernden Fällen von Schulabsentismus beraten zu lassen.

Unter der Rubrik «Empfehlenswerte Literatur und Links» finden Sie passend zu diesem Thema einen Podcast «Hilfe, mein Kind geht nicht zur Schule!» von den Kinder- und Jugendpsychologinnen Nicole & Fabienne. 

Interessante Presseartikel finden Sie in der Rubrik «Schule und Psychologie in der Presse».


4. Lernstörungen

Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörungen sind neurologische Entwicklungsstörungen, die sich negativ auf schulische Leistungen und den Alltag auswirken können. Eine frühzeitige Diagnose und Intervention sind von grosser Bedeutung, um betroffenen Kindern und Jugendlichen zu helfen, ihre schulischen und beruflichen Ziele zu erreichen. Individuelle Förderung, unterstützende Technologien und spezielle Lehrmethoden können dabei unterstützen.

Die Plattform LONDI bietet eine webbasierte Ressource zur Erkennung und Intervention von Lernstörungen. Sie richtet sich an Eltern, Lehrkräfte, Schulpsychologen, Lerntherapeuten und Fachkräfte der Jugendhilfe. Das Ziel besteht darin, Lernschwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und wirksame Fördermassnahmen zu finden. 

Das LONDI Screening ermöglicht Fachkräften aus dem schulischen und therapeutischen Bereich, den Leistungsstand von Grundschulkindern effizient zu erfassen und Verdachtsmomente auf Lernschwierigkeiten zu überprüfen. Zudem werden Empfehlungen zu geeigneten Testverfahren für eine vertiefte Diagnostik und wissenschaftlich belegte Förderprogramme gegeben.

Es ist zu betonen, dass das LONDI Screening lediglich eine erste Einschätzung liefert. Um eine genaue Diagnose zu stellen, ist eine umfassende Diagnostik durch qualifizierte Fachkräfte notwendig. 

Neben der Diagnostik und Förderung spielt auch die Psychoedukation eine bedeutende Rolle bei der Behandlung und Unterstützung betroffener Kinder, Jugendlicher und ihrer Familien. Das Ziel der Psychoedukation besteht darin, Wissen und Verständnis über spezifische Störungen zu vermitteln, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und das psychische Wohlbefinden sowie das Selbstvertrauen der Betroffenen zu stärken. Auf diese Weise sollen die Betroffenen mit den notwendigen Werkzeugen und Kenntnissen ausgestattet werden, um ihre Herausforderungen erfolgreich bewältigen zu können.

Im Kanton Luzern ist der zuständige Schulpsychologische Dienst neben der Diagnostik einer Lernstörung oft auch Anlaufstelle für die Psychoedukation zu diesem Thema.


5. Fachsprechstunde KJPD Luzerner Psychiatrie

Der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst (KJPD) bietet nebst Einzel- und Gruppentherapien auch störungsspezifische Fachsprechstunden an. Das Angebot wurde in letzter Zeit stark erweitert. So gibt es beispielsweise neu Fachsprechstunden zu den Themen «Geschlechtsidentität» oder «Zwangsstörungen». Die Fachsprechstunden bieten Kindern, Jugendlichen und deren Familien sowie dem schulischen Umfeld frühzeitig Beratung und Unterstützung an. Detaillierte Informationen zu den verschiedenen Sprechstunden und zur Anmeldung finden sich auf der Homepage der Luzerner Psychiatrie lups.ch (Fachsprechstunden Kinder Jugendliche).


6. Smartphone-Nutzung in Gegenwart von Babys und Kleinkindern

In den letzten Jahren hat die Forschung zu den Auswirkungen der elterlichen Technoferenz auf die Entwicklung von Kindern stark zugenommen. Technoferenz beschreibt alltägliche Eingriffe oder Unterbrechungen in Interaktionen oder gemeinsam verbrachte Zeit, die durch die Nutzung von Technik verursacht werden. Der Begriff setzt sich aus Technik und Interferenz zusammen.

Das Review von Mikić und Klein (2022) untersucht die Auswirkungen der elterlichen Nutzung von portablen digitalen Geräten in Anwesenheit ihres 0- bis 3-jährigen Kindes auf die Qualität der Eltern-Kind-Interaktion und -Beziehung, die affektive und physiologische Regulation sowie die sozial-emotionale und kognitive Entwicklung des Kindes. Die Ergebnisse des Reviews legen nahe, dass Eltern bei der Nutzung portabler digitaler Geräte oft weniger feinfühlig und responsiv auf ihre Kinder reagieren. Negative Auswirkungen der Nutzung auf die kindliche Affekt- und Stressregulation wurden berichtet. Es bleibt jedoch unklar, ob die Effekte nur kurzzeitig oder dauerhaft sind. Das Review weist darauf hin, dass die Ergebnisse zu den Zusammenhängen zwischen der elterlichen Technoferenz und der Eltern-Kind-Beziehung bisher widersprüchlich sind. Zudem scheint die elterliche Technoferenz mit Beeinträchtigungen des kindlichen Lernens einherzugehen. Die Autoren weisen darauf hin, dass weitere Forschung erforderlich ist, um das Ausmass der elterlichen Nutzung und spezifische Nutzungsmuster zu bestimmen, die möglicherweise negative Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung haben könnten.


7. Sonderschule für Mädchen in Ettiswil

Die Stiftung Schule und Wohnen Mariazell Sursee hat im Auftrag des Kantons Luzern ihr Angebot erweitert. In Ettiswil wurde im August 2023 das neue Schul- und Wohnhaus «forta» eröffnet - ein Angebot nur für Mädchen der Primar- und Sekundarschule. Das Angebot beinhaltet eine Tagesschule wie auch ein Wocheninternat. Die Schule richtet sich an Schülerinnen, welche einen anderen Rahmen als die Regelschule brauchen.

Die Stiftung Schule und Wohnen Mariazell Sursee hat mehrere Standorte und die Klassen im Bereich Verhalten bestehen ausschliesslich aus Jungen. Mädchen, welche eine Separative Sonderschulmassnahme benötigen, werden aktuell in verschiedenen Institutionen im Kanton Luzern oder ausserkantonal beschult. Mädchen sind im Bereich Verhalten nach wie vor eine Minderheit, und bei ihnen wird der Bedarf an intensiverer Begleitung oft spät erkannt. Dies liegt unter anderem auch daran, dass sich bei ihnen Verhaltensauffälligkeiten anders zeigen als bei Jungen. 

Mit dem Angebot in Ettiswil soll den Mädchen ein geschützter Rahmen geboten und ihnen die nötige Aufmerksamkeit gegeben werden.

Weitere Details zum Angebot und mehrere Pressartikel finden Sie auf der Website der Stiftung Schule und Wohnen Mariazell Sursee.

Hier finden Sie dazu einen aktuellen SRF-Beitrag.


8. Empfehlenswerte Literatur und Links

Die Fachstelle «Akzent Prävention und Suchttherapie» hat zur Früherkennung und Frühintervention von gefährdeten Kindern und Jugendlichen einen «Leitfaden und Checklisten zum Umgang mit (sucht-)gefährdeten Kindern /Jugendlichen» (PDF) erstellt. Besonders die Checkliste «Erkennen» wird als hilfreich empfunden. 

FBücherabian Grolimund und sein Team haben einige liebevoll illustrierte und einfühlsam geschriebene Bücher rund um das Thema Gefühle und Beziehung verfasst, die das Newsletterteam aus eigener Erfahrung wärmstens weiterempfehlen kann:

«Ungeheuer wütend», «Du kannst immer zu mir kommen», «Freunde wie wir... Das gibt’s nur einmal auf der Welt», «Ich liebe dich, so wie du bist».

Wer lieber zuhört als liest findet von den Kinder- und Jugendpsychologinnen Nicole & Fabienne unter dem Motto «DevelopMental» spannende Podcast mit praktischen Tools, Tipps und Tricks zu entwicklungspsychologischen Themen wie: «Hilfe, mein Kind geht nicht zur Schule!» «Liebevoll Konsequenzen setzen» «Gefühle meistern in 3 Schritten». Mehr dazu…


Kinderbuch
«Aiana lernt, mit ihrer Angst umzugehen» von Samatha Kaempf: Aiana
Eltern, Verwandte und Freunde können sich auf eine zärtliche und verständliche Art und Weise mit dem Thema Ängste auseinandersetzen. Erwachsene erkennen, wie wichtig es ist, den Kindern zu sagen, dass es in Ordnung ist, Angst zu haben. Darüber hinaus finden sie am Ende des Buches hilfreiche Erklärungen und Hinweise zu den Themen Angstbewältigung und Psychotherapie. Das Buch ist auch ein Arbeitsmittel für alle Fachpersonen, die mit Kindern arbeiten. Diese Geschichte zeigt den möglichen Ablauf eines therapeutischen Prozesses und vermittelt ein beruhigendes und positives Bild der Psychotherapie. Aiana und Frau Glückbauen eine therapeutische Beziehung auf, die auf Vertrauen basiert. Gemeinsam finden sie Strategien und Lösungen, die auf Aianas persönlichen Bedürfnissen basieren.  

Die Kleinsten sind von ihrer magischen und farbenfrohen Welt begeistert. Die Suche nach einem Marienkäfer, der auf jeder Seite des Buches versteckt ist, bereitet ihnen zusätzlich Freude. Die Kinder können sich mit Aiana identifizieren und sehen, dass sie mit ihren Ängsten nicht allein sind. Im Laufe dieses Abenteuers, kann eine Verbindung zwischen den Kindern und Aiana entstehen. Sie fühlen sich verstanden und lernen, dass man Strategien entwickeln kann, wie mit seinen Ängsten umzugehen. Aianas Geschichte gibt ihnen Hoffnung und Mut. Zusätzlich enthält das Buch Vorlagen, wo die Kinder dazu ermutigt werden, ihre Angst zu beschreiben und zu illustrieren. Aiana ist ein wunderbares Vorbild von Resilienz, das Klein oder Gross, inspirieren wird.


8. Schule und Psychologie in der Presse

«Kinder sind ein Spiegel der Gesellschaft»

Ob Schulweg, Hausaufgaben oder Ängste vor dem Neuanfang. Der Willisauer Bote hat sich mit der Schulpsychologin und Leiterin des Schulpsychologischen Dienstes Kreis Dagmersellen Christa Heer über brenzlige Situationen rund um den Schulstart unterhalten.

142 Fälle im letzten Schuljahr: Immer mehr Kinder und Jugendliche schwänzen den Unterricht

Seit Corona häufen sich die Fälle von längerer Schulabwesenheit. Ein möglicher Grund: Zu Hause bleiben ist kein Tabu mehr. Der Kanton Luzern will nun prüfen, ob Massnahmen nötig sind.

Der Artikel der Luzerner Zeitung behandelt die steigende Anzahl von Schulabsentismusfällen bei Kindern und Jugendlichen seit Beginn der Corona-Pandemie und diskutiert mögliche Gründe und Lösungsansätze. Laut Margrit Stamm, einer Schweizer Bildungsforscherin, hat die Pandemie das Problem verschärft. Im Kanton Luzern wurden gemäss Brigitte Schumacher, Beauftragte Schulpsychologie bei der Luzerner Dienststelle für Volksschulbildung von August 2022 bis März 2023 125 Fälle von Schulabsentismus gemeldet, im gesamten Schuljahr waren es 142 Fälle. Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliches Schwänzen, sondern um psychologische Ursachen, die eine Einbeziehung vom Schulpsychologischen Dienst erfordern.

Die Gründe für die Zunahme sind vielfältig. Die Schulabsenzen betreffen Kinder aller Altersstufen, vom Kindergarten bis zur Sekundarschule. Besonders stark zugenommen haben die Fälle von Schulphobie und Schulangst. Das Bildungs- und Kulturdepartement beobachtet die Situation und prüft, ob Massnahmen notwendig sind, um dem Schulabsentismus entgegenzuwirken. Ein Merkblatt der Dienststelle für Volksschulbildung legt Lehrpersonen nahe, Absenzen zu erfassen und bei Häufung die Schulleitung einzubeziehen. Das Gespräch mit betroffenen Schülern und deren Eltern sowie die Unterstützung durch den schulpsychologischen Dienst werden als wichtige Schritte zur Bewältigung des Problems hervorgehoben. 

Je nach Fall werden verschiedene Massnahmen empfohlen, von Therapie bei psychischen Störungen über ein Elterntraining bei familiären Ursachen bis zur Meldung bei der KESB oder Klassenwechsel. Die Förderung eines positiven Schulklimas wird als wichtiger präventiver Ansatz genannt.  

Mehr verhaltensauffällige Kinder: Das sollten Eltern zum Schulstart beachten

Die Luzerner Zeitung im Gespräch mit Oliver Bilke-Hentsch, Chefarzt der Luzerner Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im Gespräch erklärt er, wieso heute mehr junge Menschen verhaltensauffällig sind als früher, und gibt Tipps, wie Eltern gelassener im Umgang mit Schulkindern werden können.

 

 


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